Gedanken zum Monatsspruch

September 2020

Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat. (2. Korinther 5,19)

Auf dem Hof der Grundschule in Mittelsaida gibt es – aufgemalt auf den Asphalt – eine ›Versöhnungsbrücke‹. Wenn zwei Schüler miteinander Streit haben, können sie sich zu beiden Seiten der Brücke stellen. Schritt für Schritt gehen sie aufeinander zu. Und schließlich können sie sich zur Versöhnung die Hand reichen. Ich finde diese Brücke in mehrfacher Hinsicht spannend: Sie macht anschaulich, dass die beiden Streitenden tatsächlich etwas trennt. Ich sehe, dass jeder von beiden einen Schritt auf den anderen zugehen muss, wenn Versöhnung gelingen soll. Und ich ahne, dass dabei gerade der erste Schritt der schwerste sein kann.

Von diesem Bild her denke ich über den Bibelvers für September nach. Auch dahinter steht der Gedanke, dass zwei miteinander im Streit liegen und Versöhnung brauchen: Da sind es der Mensch und Gott. Was den Menschen von Gott trennt, ist auf der einen Seite seine Schuld und auf der anderen Seite ein tiefes Misstrauen gegenüber Gott. Beides gehört zusammen und zerstört die Beziehung zu Gott. Und wenn schon der Abstand zwischen zwei Menschen manchmal riesig und unüberbrückbar scheint – gleicht da der Abstand zu Gott nicht einem Ozean?! Und wie ist es da mit dem ersten Schritt? Da steht mir nicht nur mein Stolz im Weg, sondern auch die Frage: Was kann ich von mir aus erreichen? Ein Schritt von mir wäre nur ein Paddelschlag auf diesem Ozean.

Der Bibelvers redet davon, dass Gott sich auf den Weg gemacht hat, um den ersten und entscheidenden Schritt zu tun. Er ist auf uns zugekommen, indem er für uns Mensch geworden ist. Im Tod am Kreuz hat Christus die trennende Schuld und das Misstrauen getragen. Er hat es auf sich genommen. So ist der Gekreuzigte unsere ›Versöhnungsbrücke‹ geworden. Auf ihn zeigt Paulus im Bibelvers – und wenige Worte später spricht er uns an: Geht über die Brücke! Vertraut Christus! Lasst euch versöhnen mit Gott!

Pfarrer Denny Wermann

Herrhuter Losung

Ich bin bei dir, spricht der HERR, dass ich dir helfe.

Jeremia 30,11

Paulus schreibt: Bei meinem ersten Verhör stand mir niemand bei, sondern sie verließen mich alle. Es sei ihnen nicht zugerechnet. Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich.

2. Timotheus 4,16-17

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