Gedanken zum Monatsspruch

Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken. (Hebräer 10,24)

Wenn man in Wartezimmern oder Empfangsbereichen ein Schild liest mit der Aufschrift »Für Ihre Garderobe wird keine Haftung übernommen«, dann geht der Griff unwillkürlich oft auch zur Handtasche oder zum Portemonnaie. Nicht nur, dass der Diebstahl der Wertsachen einen großen finanziellen Verlust bedeutet. Anstrengender ist meist die Wiederbeschaffung der entwendeten Chipkarten und Ausweise. So kann ich mich noch gut an den Aufwand erinnern, den ich einst als Student betreiben musste, nachdem mir die Brieftasche gestohlen worden war.

Doch nicht nur auf Papiere und sonstige Wertsachen sollte man aufpassen. Im Monatsspruch für Oktober geht es darum, auch innerhalb der Kirchgemeinde aufeinander zu achten. Damit ist nicht gemeint, dass wir uns gegenseitig auf Schritt und Tritt kontrollieren und überwachen. Es geht auch nicht darum, Protokoll zu führen, wann und wie oft der Nachbar zum Gottesdienst erscheint und wie er sich sonst so einbringt ins Gemeindeleben.

Die Aufforderung des Hebräerbriefs zielt darauf ab, dass wir nicht nur mit uns selbst beschäftigt sind. Das Wohlergehen unserer Glaubensgeschwister sollte uns am Herzen liegen. Wir sind füreinander da und auch aufeinander angewiesen. Keiner kann für sich beanspruchen, alles richtig zu machen und aus eigener Kraft leisten zu können. Wir brauchen als Christen den Rat, die Unterstützung und das gute Vorbild derer, die mit uns auf dem Weg sind. Deshalb gibt es zum Beispiel im Konfirmationsgottesdienst nach der Einsegnung ein Wort an die Gemeinde, in dem die Versammelten darauf hingewiesen werden, dass die frisch Konfirmierten andere Christen brauchen, die ihre Glaubenserfahrungen weitergeben und ihnen helfen, im Leben als Christen zu bestehen.

Sind unsere Gemeinden Orte, an denen an alle gedacht und für andere mitgedacht wird? Aufeinander achthaben, Mitgefühl und Empathie zu entwickeln, das scheint mir eine wichtige Voraussetzung für eine lebendige Gemeinde zu sein. Auf jeden Fall ist der Verlust eines Portemonnaies viel leichter zu kompensieren als das Erkalten zwischenmenschlicher Kontakte und Beziehungen.

Pfarrer M. Köber, Mulda

Herrhuter Losung

Du sollst deinen Nächsten nicht bedrücken.

3. Mose 19,13

Jesus spricht: Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!

Lukas 6,31

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