Die
Kirche
An der Stelle des jetzigen Gotteshauses stand
einst eine kleinere, mittelalterliche Kirche. 1730
kaufte Carl Adolph von Carlowitz das hiesige Rittergut
und erwarb gleichzeitig das Patronatsrecht auf Kirche
und Orgel. Er war ein aufgeschlossener und vielseitig
interessierter Zeitgenosse und hatte auch den Bau
einer größeren Kirche sowie einer
neuen Orgel angeregt. So wich noch im selben Jahr
die kleine Kirche einer neuen, die um die alte herum
gebaut wurde, um somit die Gottesdienststätte auch
während der Bauzeit erhalten zu können.
Die Kanzel stand früher frei in der Mitte des
Altarraumes, wurde aber 1960 im Rahmen von
Umbauten nach rechts verschoben. Der Taufstein,
der einst zwischen Kanzel und Altar mittig im Raum
stand, wurde im selben Zuge nach links verrückt.
Somit wurde der Altarraum frei und größer.
  Im Jahr1966 wurde die letzte große
Innenrenovierung der Kirche vorgenommen.
Vor den Altarstufen befindet sich eine
Gruft, die für derer von Carlowitz als Begräbnisstätte diente. Es führte auch ein Gang wahrscheinlich von der Gruft der Kirche zum Rittergut. Er ist heute nicht mehr begehbar.
Der Patronatsherr Carl Adolph von Carlowitz
hatte eine eigene Loge in der Kirche, eine
„herrschaftliche Empore“, auf der auch groß
sein Familien-Wappen zu sehen ist. Ein kleines
dieser Wappen ist auch auf der Orgel zu sehen,
da Carl Adolph von Carlowitz den Vertrag über
einen Neubau mit Gottfried Silbermann schloss und
ihm 100 Taler Vorschuss zahlte.

Das
Rittergut
Die ersten Besitzer waren die Mönche des Benediktinerklosters zu Chemnitz, die von 1250-1375 die Lehnsherrschaft über den Ort ausübten. Das Rittergut fortan ging durch viele Hände. Im Jahre 1730 erwarb die Hochadlige Familie von Carlowitz das Gut für 30 000 Taler. Damit wurden für 200 Jahre die Besitzverhältnisse in Großhartmannsdorf segensreich geklärt. Viele rühmliche Hinterlassenschaften können wir heute noch von diesen ausgezeichneten Mayoratsherren im Rittergut bewundern. 1945 wurden die Gebäude, Hofräume, Ländereien und Waldstücke verschiedenen Parteien zugeteilt. In den Jahren 1946/47 wurden auf Beschluss der sächsischen Landesregierung große Teile des Rittergutes vernichtet. Seit dem Jahr 1978 war das Gut unbewohnt und verfiel mehr und mehr. So vergingen die Jahre zwischen Verfall, Abriss oder Rettung bis zur Wende 1990. Mit viel Geschick und unbeugsamen Willen gelang es dem Großhartmannsdorfer Otto Härtig, den Wiederaufbau einzuleiten und unter seiner Aufsicht bis zum heutigen Tag kontinuierlich fortzusetzen. Er selbst brachte im Jahr 2000 eine Chronik über die Gemeinde Großhartmannsdorf heraus und steht gerne für Führungen im Rittergut zur Verfügung. Öffnungszeiten sind nach Absprache mit ihm zu treffen (Telefon: 037329/856).
Heute ist das Rittergut ein Museum. Durch den Wendelturm gelangt man in einen Raum, der für standesamtliche Trauungen geschaffen wurde und ein besonderes romantisches Ambiente bietet
.

Die Silbermannorgel
1690 stand in der alten Kirche ein Positiv, dass für 40 Taler der Kirche zu Weigmannsdorf überlassen wurde.
Eine erste Notiz bezüglich des Orgelneubaus durch Gottfried Silbermann stammt vom 23. Januar 1738. Sie handelt über Geld für Klötzer, Bretter und Pfosten. Es muss seinerzeit ein tüchtiger Auflauf gewesen sein: Mit zwölf vierspännigen Wagen holte man Silbermann und alle Materialien aus Freiberg nach Großhartmannsdorf. 15 Wochen, so berichtet die Chronik, arbeitete er mit vier Gesellen an der Orgel. Die Kosten beliefen sich auf 600 Taler, 500 Taler zahlte die Kirchgemeinde, 100 der Patronatsherr.
Am 3. Dezember 1741 wurde die Orgel für ihren Dienst geweiht und zum ersten Mal öffentlich gespielt. Am Tag nach der Weihe rauschte der Meister mit neun Wagen wieder zurück nach Freiberg.
Nach 40 Jahren war aber auch die Silbermannorgel verstaubt und verstimmt. So leisteten sich die Großhartmannsdorfer erneut einen Meister für die notwendigen Reparaturen: Adam Gottfried Oehme aus Freiberg. Er hatte bei Silbermann den Orgelbau von der Pike auf gelernt und führte die Silbermannsche Werkstatt weiter. Man konnte also keinen kompetenteren Orgelbauer finden. Vermutlich hatte er diese Orgel sogar mitgebaut, denn seine Lehrzeit begann er im Jahr 1737.
Die Orgel blieb auch bei den nachfolgenden Reparaturen von Modernisierungen und sonstigen Veränderungen verschont.
Das Werk steht auch heute noch im alten Chorton: das a´ liegt ½ Ton höher als der heute übliche Kammerton. Der Winddruck beträgt 90 Millimeter.
Seit 1952 wird die Silbermann-Orgel von der Firma Eule in Bautzen betreut.
Die Orgel besteht aus 1178 Pfeifen: 26 stummen Prospektpfeifen, 1056 klingenden aus Zinn und 96 aus Holz. Im Prospekt sind nur Pfeifen aus dem Hauptwerk vorhanden. Die oberen kleineren Pfeifen links und rechts neben dem Mittelturm dienen nur zur Vervollständigung der Ansicht.
Das Gehäuse ist 5,50 Meter hoch, 4,30 Meter breit und 2,30 Meter tief. Der Prospektmittelturm zeigt, wie oben schon erwähnt, das Carlowitzsche Wappen.
Die Balganlage liegt im hinter der Orgel gelegenen Turmraum.
Disposition
Hauptwerk
Principal 8´ Octava 4´
Quintadena 8´ Rohr-Flöthe 8´
Cornett Spitz-Flöthe 4´
Quinta 3´ Ocatva 2´
Mixtur 4fach Klingel
Oberwerk
Gedackt 8´ Rohr-Flöthe 4´
Nasat 3´ Gemshorn 2´
Octava 2´ Tertia
Quinta 1 1/2 ´ Sufflet 1´
Cimbel 2fach Tremulant
Pedal
Sub-Bass 16´
Ocatv-Bass 8´
Posauen-Bass 16´
Bass-Ventil ( Koppel HW/Ped. )
Zum Leben und Wirken Gottfried Silbermanns ist nachfolgende Internetseite empfehlenswert:
www.silborg.de.vu
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